Tim hat ein VSD

Unser Sohn Tim kam am 24.10.2004 in Stolberger Krankenhaus zur Welt. Mit 53 cm und 3.150 Gramm war er ein unauffälliger Säugling.
Erst nach zwei Tagen kam er wegen schwerer Gelbsucht und Trinkschwäche auf die Kinderintensivstation, wo man ihm mühsam das Trinken an der Brust beibrachte. Nach 10 Tagen wurde ein Herzgeräusch festgestellt, das sich dann als Herzfehler rausstellte. Tim hatte ein Loch in der Herzscheidewand, auch VSD genannt. Für uns war dies natürlich erst mal ein Schock. Uns wurde aber versichert, dass es sich hierbei um einen häufig auftretenden Herzfehler handele, der operativ sehr gut behoben werden kann. Man erklärte uns weiter, dass man sich mit der OP Zeit lassen könnte, bis das Kind ca. ein halbes Jahr alt ist; die Situation also für den Moment nicht lebensbedrohlich für das Kind sei. Dieses VSD war für uns auch keine ganz unbekannte Grö゚e. Tims Vater hatte als Kind den gleichen Herzfehler und wurde bereits 1973 im Alter von 7 Jahren erfolgreich operiert. Das Wissen, dass so eine Operation schon vor 30 Jahren erfolgreich durchgeführt werden konnte, beruhigte ein wenig. Und nach 14 Tagen wurden wir dann erstmals aus dem Krankenhaus entlassen.
Leider kam er mit 6 Wochen aber schon wieder ins Krankenhaus, da unser Sohn an einem Leistenbruch operiert werden musste. Jetzt bekamen wir es schon ein bisschen mit der Angst zu tun, da man nicht genau wusste, wie Tim aufgrund des VSD die Narkose verträgt. Aber auch diese Angst war schnell verflogen als man gesehen hat, wie stabil der Kreislauf blieb.
Was für Nebenerscheinungen so ein Herzfehler hat, haben wir dann festgestellt als Tim 9 Wochen alt war. Aus einer Bronchitis wurde sehr schnell eine ausgewachsene Lungenentzündung und ein beginnendes Lungenödem. Also wieder zwei Wochen Krankenhaus.
Nach diesem Krankenhausaufenthalt wurde er nochmals ausgiebig im Aachener Klinikum von Frau Prof. Dr. Seghaye untersucht. Sie versicherte uns aber, dass eine Operation zur Zeit noch nicht von Nöten sei und wir statt dessen ein Medikament zur Entwässerung und zur Entlastung der Lunge verabreichen sollten. Es traten auch keine weiteren Probleme mehr auf. Bis zur Operation wurde Tims Gesundheitszustand engmaschig durch Herrn Dr. Oertzen im Stolberger Krankenhaus und Frau Prof. Dr. Seghaye im Klinikum kontrolliert.
Um vor bösen ワberraschungen während der OP sicher zu sein, wurde im März dann ein Herzkatheter geschoben. Diesen Eingriff hat Tim auch ohne Probleme weggesteckt. Im Gegenteil, er fiel auf der Station sogar wegen seiner ständigen guten Laune auf.
Zwei Wochen später bekamen wir dann den Termin für die Herzoperation zugeschickt. Tim sollte am 14.04.05 operiert werden. Wir waren jetzt doch froh, dass der Eingriff nun unmittelbar bevorstand. Zum einen hatten wir das Gefühl, dass Tim so langsam Herzinsufizienzzeichen zeigte (Schwitzen beim essen usw.) und wir wollten natürlich das Ganze endlich hinter uns bringen.
Am 13. April wurden wir dann auf der Kinderkardiologie aufgenommen. Einige Voruntersuchungen wurden gemacht und uns wurden die トrzte (Anästhesie und Herzchirurgie) vorgestellt. Natürlich wurden wir auch auf evtl. auftretende Gefahren hingewiesen (davon möchte man eigentlich nichts wissen). Aber die トrzte klangen so zuversichtlich und haben uns menschlich auch so beeindruckt, dass wir nach den Gesprächen eher noch zuversichtlicher waren, dass alles gut geht und sich unser Kind in guten Händen befindet. Am nächsten Morgen wurde Tim auf die OP vorbereitet. Er bekam ein Medikament, dass ihn ein wenig beschwipst machte. Daran hatten selbst wir Eltern eine Menge Spa゚, da unser Kind anfing, völlig albern zu kichern. Das OP-Team versicherte uns hinterher, sie hätten bis die Narkose wirkte noch eine Menge Spa゚ mit ihm gehabt. Ihn dann aber vor dem OP abzugeben, war trotzdem ganz schön hart.
Da wir in Stolberg wohnen, sind wir während der Operation nach Hause gefahren und haben Rasen gemäht, Fenster geputzt, aufgeräumt und noch vieles mehr. Nach sieben Stunden kam dann endlich der Anruf, dass alles gut verlaufen ist und Tim sich auf der Intensivstation befindet. Als wir im Klinikum ankamen wurden wir gut darauf vorbereitet, dass unser Kind an eine Menge Maschinen bzw. Infusionen angeschlossen war. Es war schon ein bisschen erschreckend, so einen kleinen Wurm mit so vielen Schläuchen zu sehen. Selbst eine Stereoanlage könnte nicht mehr verkabelt sein. Die ersten Stunden hatte man Angst ihn zu berühren.
Aber schon am nächsten Tag wurde er aus dem künstlichen Koma erweckt, extubiert und wir konnten ihn auf den Arm nehmen. Dieses Gefühl werden wir wohl nie vergessen.
Schon nach drei Tagen wurde Tim wieder auf die normale Station verlegt. Für uns ist es noch immer ein Wunder, wie so kleine Menschen solch einen Eingriff in so einer kurzen Zeit wegstecken.
Leider wurde am selben Tag noch ein Leistenbruch diagnostiziert und unser Sohn musste wieder operiert werden und noch mal zur Sicherheit eine Nacht auf der Intensivstation verbringen. Aber dann konnte er endlich auf der normalen Station bleiben. Von da an hatten wir auch ein Mutter-Kind-Zimmer und schon 10 Tage später konnten wir nach Hause.
Die Betreuung der トrzte und der Schwestern auf den Stationen war ausgezeichnet. Wir hatten immer das Gefühl, wir werden mit unseren Sorgen ernst genommen, unser Kind wird gut versorgt und man tut alles Menschenmögliche, um unser Kind, aber auch die „ständig weinende„ Mutter aufzupäppeln. Mich hat beeindruckt wie das gesamte Team zusammen arbeitet und mit der „Arbeitsbelastung„ umgeht. Denn nicht jedes Kind hat so einen „leichten„ Herzfehler wie Tim. Wir hatten zu keiner Zeit das Gefühl noch eine zweite Meinung einholen oder Gesagtes anzweifeln zu müssen.
Die OP ist mittlerweile fast zwei Jahre her und unser Kind hat sich zu einem richtig gut gelaunten Rabauken entwickelt, der unseren ganzen Haushalt auf den Kopf stellt. Er konnte bereits mit 11 Monaten laufen und ist jetzt der Grö゚te in der Spielgruppe. Das Beste aber ist, dass das Herz nicht noch mal operiert werden muss und wir nur noch einmal im Jahr zur Kontrolle müssen.
Am 11.10.2006 hat Tim einen kleinen Bruder Nils bekommen - und Nils ist gesund.
Heike und Michael Fleck
Herzkrankes Kind Aachen e.V. - ein starker Partner!
